Manchmal werde ich angeschaut wie ein Außerirdischer: Wenn ich erzähle, dass ich am Wochenende 200 km Rad gefahren bin, dass ich im Dunkeln mit Lampe auf dem Kopf durch den Wald gerast bin, dass ich mit dem Fahrrad über die Alpen gefahren bin, dass ich beim letzten Sturm Rad gefahren bin, dass ich mittlerweile mehrere Monatsgehälter in Fahrräder und ihre Teile angelegt habe, dass 50% meiner Kleidung Funktionswäsche ist.
Doch das ist nicht außergewöhnlich, keine übertriebene Investition, keine Geldverschwendung, kein Extremsport, keine Glanzleistung, denn ich bin Radfahrer. Ich könnte laufen, schwimmen, klettern, doch ich fahre Rad und mache mir damit die größte Erfindung der Menschheit, nach dem Feuer (naja, physikalische Phänomene kann man eher entdecken als erfinden), zunutze. Der Bewegungsapparat des Menschen ist in der Natur nicht der effizienteste. Pferde, Hunde und allerlei Getier bewegen sich da deutlich wirtschaflicher. Doch setzt man den Menschen auf ein Fahrrad, so lässt er jedes andere erdgebundene Lebewesen hinter sich zurück und kann Strecken zurücklegen, die vorher nur mithilfe fremder Kräfte (Pferde, Dampfmaschinen) zurückzulegen waren.
Zum einen fahre ich also, weil ich diese Erfindung und die mit ihr einhergehenden Vorteile schätze, zum anderen strebe ich nach der perfekten Einheit zwischen Mensch und Maschine und so verschmelzen mein Rad und ich zu einem neuen biomechanischen Wesen, dass sich Meter um Meter in die Weite und Höhe kämpft, manchmal mit Ziel, oft jedoch nur des Kämpfens willen. Der Kopf ist aus, die Beine sind an: Heute wird nur geradelt, nicht gesorgt, gezankt, gezürnt oder getrauert.
Endorphin ist mein Gemüse.
Und Spaß am Schrauben und Putzen hab ich natürlich auch :)
4 Kommentare:
dann geh mal dein Gemüse ernten ;-) viel Spaß
Und das habe ich :D
Du heisst nicht zufällig Christian mit Vornamen. Du triffst genau mein Lebensgefühl, das mit dem dunklen Wald und den Bergen kenn ich zu gut. Heute abend nach 17 Uhr gehts wieder 31 km rasen :-).
Nein, ich bin mit dem schönen Namen Pascal gesegnet!
Immer schön, von Gleichgesinnten zu hören.
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